Konservierungsstoffe – Der Haltbarkeit wegen

Methylisothiazolinone (MIT) ist ein weitverbreitetes Konservierungsmittel mit stark bakterienhemmender und desinfizierender Wirkung. Es wird in den meisten Fällen als Mischung in verderblichen Non-Food-Produkten aller Art eingesetzt, vorallem in Kosmetika, aber auch in Lacken und Farben. MIT darf auf keinen Fall mit ähnlich klingenden Bioziden wie Chloromethylisothiazolinone (CMIT) oder Dichlorooctylisothiazolinone (DCOI) verwechselt werden. Der toxische Effekt von CMIT/DCOI ist 30x bis 100x stärker als der von MIT (1). DCOI wird vorallem in Anstrichen von Schiffsrümpfen verwendet, um die Besiedlung durch Seepocken und Algen zu verhindern. Wasseruntersuchungen haben gezeigt, dass sich DCOI aus den Anstrichen löst und in wenig bewegten Binnengewässern nachweisbar ansammelt. In diesem Fall kann es die natürliche Bakterienflora von Boden- und Uferschlämmen beeinträchtigen, was sich letztendlich auch auf alle Lebewesen in der Nahrungskette auswirken kann. Diese Emissionen und Auswirkungen können nicht einfach auf MIT übertragen werden, auch wenn sie aus dem kosmetischen Produkt heraus über den Wasserkreislauf in die Natur gelangen können. Der maßgebliche Unterschied ist, dass Kosmetikprodukte nur einen minimalen Anteil an MIT enthalten (dürfen). Dieser Anteil bewegt sich im Bereich von ppm (parts per million), d.h. 1 l kosmetische Flüssigkeit enthält nur 1 µl MIT (auch "one drop per barrel"). Gemäß der EU-Verordnung für Kosmetika dürfen diese nur 1 µl MIT pro Liter enthalten.


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Schadet MIT der Natur?

Im Gegensatz zu Paraben-basierten Konservierungsstoffen und mehr als 8.000 anderen ED-Stoffen (endokrine disrupting, d.h. den Hormonhaushalt von Lebewesen beeinflussenden Stoffe) ist Methylisothiazolinone biologisch sehr gut abbaubar. Im Schmutzwasser der Kläranlagen wird es schnell zu Metaboliten mit geringer Toxizität umgewandelt. Eine Bioakkumulation wie sie bei DCOI zu beobachten ist, lässt sich ausschließen. MIT hat keine estrogene Wirkung auf Lebewesen und gilt daher als umweltverträglich.


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Angebliche Schädlichkeit

Da MIT in Wandfarben und Lacken in höherer Konzentration eingesetzt wird, kommt es bei großflächigen Anstrichen oder industriellem Einsatz von Farben (z.B. in der Textil- oder Druckindustrie) zwangsläufig zu erhöhter Emission und Exposition. Dadurch sind viele Fälle bekannt geworden, bei denen es zu Kontaktallergien oder Schleimhautreizungen, beispielsweise bei Hausbewohnern oder Arbeitern, kam. Vermutlich waren es diese Berichte, die Anfang der 1990er Jahre eine regelrechte Hexenjagd auf MIT in Kosmetika auslösten. Ohne Zweifel wirkt die Verbindungen – in hoher Dosis, oder bei langanhaltender, permanenter Exposition – irritierend und hautreizend. Diese Situation ist bei herkömmlicher Kosmetik jedoch nicht gegeben. Kosmetikprodukte enthalten nur minimalste Spuren von MIT und verbleiben in der Regel nicht langfristig auf der Haut (Haarpflege). Dennoch wurde die angebliche Schädlichkeit von MIT in den Folgejahren durch die wichtigsten weltweiten Institutionen untersucht. Unzählige Studien haben sich intensiv mit möglichen Gesundheitsrisiken befasst – ohne eine solche nachweisen zu können.


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MIT ist

  • nicht fötusschädigend
  • nicht fruchtbarkeitsschädigend
  • nicht krebserregend (karzinogen)
  • nicht zellschädigend, sofern eine Dosis von 0,01 % nicht überschritten wird
  • nicht hautirritierend, sofern eine Dosis von 0,01 % nicht überschritten wird
  • hypoallergen, sofern eine Dosis von 0,01 % nicht überschritten wird

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Die Unschädlichkeit von MIT in Kosmetika wurde bestätigt durch

  • EU Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products Intended for Consumers (SCCNFP)
  • Deutsches Bundesinstitut für Risikoberwertung (BfR)
  • die US Enviromental Protection Agency (EPA)
  • die US Food and Drug Administration (FDA)
  • die American Society for Cell Biology (ASCB)
  • den Cosmetic Ingredient Review (CIR)
  • Consumer Federation of America (CFA)
  • die US Cosmetic, Toiletry, and Fragrance Association (CTFA)
  • das US Personal Care Products Council (PCPC)

Die Stellungnahme des SCCNFP (in Englisch) zu MIT können Sie hier als PDF-Datei downloaden.

Im Jahre 2002 sorgte eine in-vitro-Studie der University of Pittsburgh (1) für Aufsehen, bei der im Labor gezüchtete Hirnzellen von Ratten MIT-Konzentrationen ausgesetzt wurden. Die Untersuchungen zeigten, dass Gewebezellen ab einer MIT-Exposition i.H.v. von 4 bis 12 ppm geschädigt wurden, nicht aber andere Hirnzellen wie z.B. Astrozyten. Die Studie wurde weltweit von Forschern scharf kritisiert, da sie nicht nur wissenschaftliche Formalfehler aufweist, sondern auch Laien dazu verleitet, ein direktes Beträufeln von "nackten" Zellen im Labor mit dem Gebrauch auf der Haut im Rahmen einer üblichen kosmetischen Anwendung gleichzusetzen. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall. Obwohl die Wissenschaftler (Aizenman et al.) anlässlich der Vorstellung (2) ihrer Studie betonten, dass das Ergebnis kein Beleg für Risiken durch den Gebrauch von MIT-haltiger Kosmetik sind, wird die Studie noch heute zur Argumentation gegen die Konservierungsmittel herangezogen. Ebenso oft wird das wesentlich schädlichere CMIT fälschlicherweise mit MIT gleichgesetzt.


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Alles eine Frage der Exposition!

Um die Gesundheitsrisiken von Inhaltsstoffen korrekt beurteilen zu können, müssen Laborergebnisse in objektiv richtiger Relation zu den alltäglichen Bedingungen gesehen werden. Durch bloßes Waschen der Haare oder Auftragen von Creme können niemals die selben Expositionen wie unter Laborbedingungen erreicht werden. Überhaupt ist die MIT-Exposition durch Kosmetika verschwindend gering. Vielmehr kommen wir im Alltag ständig mit Methylisothiazolinone in Kontakt, ohne dies verhindern zu können. In den meisten Farben, Lacken, Kolorationen oder Textilfarben ist MIT enthalten. Nahezu alle Verpackungspapiere/-kartons für Lebensmittel sind mit dem Konservierungsmittel getränkt. Selbst in der gekühlten Luft einer Klimaanlage ist MIT nachweisbar. Da der Stoff schnell abgebaut wird, ist eine langfristige Ansammlung (Akkumulation) im Körper oder in der Natur nicht zu erwarten.


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Warum ist MIT in organicum enthalten?

organicum Produkte bestehen zum großen Teil aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen, die ungeschützt schnell verderben würden. Um die Rezeptur während der Lagerung und des Gebrauchs vor dem Verfall zu schützen, ist ein Mindestanteil an Konservierungsstoffen leider unerlässlich. MIT hat gegenüber vergleichbaren Mitteln den unschlagbaren Vorteil, dass es selbst in allergeringster Konzentration eine verlässliche und langanhaltende Wirkung entfaltet. MIT ist ganz sicher kein „organischer“ Inhaltsstoff – muss es aber, angesichts der insgesamt positiven ökologischen Eigenschaften und Vorteile ggü. Alternativprodukten, ein absolutes Tabu in Naturkosmetik sein? Wir vertreten hier eine differenzierte und ambivalente Auffassung. MIT hat im Gegensatz zu anderen Konservierungsstoffen keine parabenbedingte estrogene Wirkung und es gibt auch kein Formaldehyd zur Konservierung ab. Möglichen Hautirritationen begegnen wir mit der Verwendung von kleinstmöglichen Anteilen MIT in unseren Produkten:

organicum Conditioner = 0,008%
organicum Maske = 0,006%

organicum Shampoo enthält kein MIT.

Unsere organicum Produkte Conditioner und Haarmaske enthalten weniger als einen Tropfen MIT pro Barrel (1 barrel drum = ca. 205 bis 216,5 Liter)


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Die Entwickler von organicum suchen seit Jahren und weiterhin nach einer gleichwertigen Alternative, möglichst auf rein organischer Basis. Bis diese Lösung gefunden ist, wollen wir lieber Methylisothiazolinone in mikroskopisch kleinen Dosen verwenden, als unseren Produkten größere Mengen anderer Konservierungsstoffe auf Basis von Parabenen oder Formaldehyd zufügen zu müssen.


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(1) Shen Du, BethAnn McLaughlin, Sumon Pal, Elias Aizenman (2002). "In vitro neurotoxicity of methylisothiazolinone, a commonly used industrial and household biocide, proceeds via a zinc and extracellular signal-regulated kinase mitogen-activated protein kinase-dependent pathway". Journal of Neuroscience 22 (17): 7408–7416. PMID 12196562
(2) Cell Biology 2004 Meeting der American Society for Cell Biology (ASCB)